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Zeitarbeit unter Druck – die Branche diskutierte neue Wege beim 2. ES-Klassentreffen

Volles Haus, starke Impulse und intensiver Austausch: Das 2. ES-Klassentreffen brachte am 5. Mai 2026 Entscheider der Personaldienstleistungsbranche im Nürnberger Schindlerhof zusammen. Gemeinsam wurden neue Wege und Perspektiven diskutiert, um dem Druck in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten standzuhalten – von Equal Treatment und aktuellen Infos zum GVP-Tarifwerk über Digitalisierung bis hin zu Vertrieb und Social Media. Doch mindestens genauso wichtig war das persönliche Wiedersehen in entspannter Atmosphäre. Genau diese Mischung macht das ES-Klassentreffen inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt der Branche.

Am 5. Mai 2026 ging das ES-Klassentreffen in die zweite Runde. Austragungsort war diesmal der idyllisch gelegene Schindlerhof in Nürnberg. Mit über 90 Teilnehmern war das Event nahezu ausgebucht – und bestätigte erneut das Erfolgskonzept aus Fachimpulsen, persönlichem Austausch und lockerer Atmosphäre.

ESKT25 Moderation JG KFW 3875 1000px quadBack to the roots – aber immer am Puls der Zeit(arbeit)

Moderatorin Janine Grunert eröffnete den Tag mit einem herzlichen norddeutschen „Moin“ und brachte den Spirit der Veranstaltung direkt auf den Punkt: „Ein unkompliziertes, lockeres Wiedersehen der Branche mit persönlichem Austausch unter Freunden und Kollegen.“ Statt „höher, schneller, weiter“ setzt das ES-Klassentreffen bewusst auf Bodenständigkeit, Praxisnähe und echte Gespräche.

Dass das Event diesmal in Nürnberg stattfand, hatte dabei durchaus Symbolcharakter: Bereits vor fast 20 Jahren wurde hier das erste ES-Unternehmerforum veranstaltet – der Ursprung des heutigen ES-Klassentreffen.

Ab 13:30 Uhr startete die Vortragsreihe mit hochaktuellen Themen rund um die Personaldienstleistung. Mit dabei: Branchenkenner Edgar Schröder, Digitalisierungsexperte Jürgen Schäfer, Vertriebsberater Niels Brabandt, Jurist Mathias Söhngen und Karriere-Influencer Tobias Jost.

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Equal Treatment neu gedacht

Den Auftakt machte Edgar Schröder mit einem Perspektivwechsel: „Equal Treatment als Business-Case“. Statt Gleichstellung nur als rechtliche Pflicht zu betrachten, zeigte er Equal Treatment als eigenständiges Geschäftsmodell mit strategischen Vorteilen auf.

Besonders hob er hervor, dass Equal Treatment heute deutlich einfacher umsetzbar sei als vielfach angenommen. Unternehmen gewinnen mehr Freiheit bei Vertragsgestaltung, Arbeitszeitmodellen und administrativen Abläufen. Gleichzeitig könne die Entkopplung vom Tariflohn in Zeiten steigenden Kostendrucks wirtschaftliche Vorteile bringen.

Seine klare Botschaft an die Teilnehmer: Wer Equal Treatment einführt, muss konsequent bleiben. „Trennschärfe ist das A und O.“

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Digitalisierung: Viele Systeme, wenig Effizienz

Im Anschluss präsentierte Jürgen Schäfer von der entero AG erstmals Ergebnisse der Studie „Softwarelandschaft in der Personaldienstleistung“, die gemeinsam mit der Edgar Schröder Unternehmensberatung und der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt durchgeführt wurde.

Die zentrale Erkenntnis: Die Branche arbeitet häufig mit zu vielen Insellösungen. Über 80 Prozent der Unternehmen nutzen mehrere Systeme parallel – mit entsprechenden Reibungsverlusten. Excel fungiere dabei oft als „Brücke“ zwischen nicht kompatiblen Anwendungen.

Besonders spannend: KI spielte bei den Befragten nur eine Nebenrolle. Der Wunsch nach funktionierender Integration, Automatisierung und einfacher Bedienbarkeit sei deutlich größer. Schäfers Fazit: Ohne ein einheitliches digitales Fundament bleibt das Potenzial moderner Technologien begrenzt.

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Vertrieb braucht wieder Persönlichkeit

Niels Brabandt widmete sich einem Thema, das aktuell viele Personaldienstleister beschäftigt: zunehmender Preisdruck und sinkende Margen.

Sein Ansatz: Weg vom austauschbaren „Me-too-Vertrieb“. Statt standardisierter Profile und rein digitaler Kommunikation brauche es wieder echte Relevanz und persönliche Gespräche mit Kunden. Besonders kritisch sah er den anonymen Wettbewerb über digitale Bietersysteme, bei denen fast ausschließlich der Preis entscheidet. Aber auch planloser Kaltakquise erteilte er eine Absage.

Seine Empfehlung an die Branche: Weniger Masse, größerer Mehrwert. Persönlicher Kontakt bleibe trotz Digitalisierung ein entscheidender Erfolgsfaktor.

 

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GVP-Tarifwerk: aktuelle Erfahrungswerte aus der Beratungspraxis

Jurist und Fachberater Mathias Söhngen beleuchtete anschließend die aus seiner Sicht wichtigsten Knackpunkte des aktuellen DGB/GVP-Tarifwerks.

Im Fokus standen unter anderem der Wegfall der klassischen Probezeitregelung, die komplexe Wegezeitvergütung sowie die Anforderungen an Arbeitszeitkonten. Besonders bei Wegezeiten gebe es weiterhin zahlreiche ungeklärte Praxisfragen, etwa bei Fernmontagen oder EU-Workern. Auch die kommenden Änderungen bei den Branchenzuschlägen ordnete der Arbeitsrechtsexperte praxisnah ein.

Sein Vortrag machte deutlich: Das GVP-Tarifwerk bietet durchaus praktische Vorteile. Bestimmte Punkte sind jedoch noch in Bewegung oder müssten klarer definiert werden. Sie werden die Branche daher noch länger beschäftigen.

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Zeitarbeit muss sichtbarer werden

Zum Abschluss sorgte Karriere-Influencer Tobias Jost für einen frischen Blick auf die Generation Z und Social Media.

Seine These: Die Zeitarbeit habe kein Imageproblem, sondern ein Sichtbarkeitsproblem. Junge Menschen informieren sich heute über TikTok, Instagram und Co. – dort finde die Branche bislang jedoch kaum statt. Dadurch dominieren häufig negative Stimmen und Vorurteile.

Jost zeigte praxisnah, wie Unternehmen mit einfachen Mitteln relevante Inhalte erstellen können. Gemeinsam mit den Teilnehmern entwickelte er live ein Beispiel für ein Social-Media-Video, um in den neuen Kanälen und bei der Gen Z Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Dabei betonte er, wie wichtig authentische Videos, klare Botschaften und regelmäßige Präsenz seien. Nebenbei entkräftete er das verbreitete Vorurteil, das Social Media nur etwas für die Jugend sei. Im Gegenteil: „Junge Menschen vertrauen älteren Menschen oft mehr als Gleichaltrigen.“

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Das besondere Highlight: der persönliche Austausch

Zusätzlich zu den Fachvorträgen war für viele Teilnehmer erneut der Netzwerkabend das Highlight des Tages. In entspannter Atmosphäre wurde diskutiert, gelacht und Kontakte gepflegt – ohne Zeitdruck und fernab klassischer Messehektik. Ein Teilnehmer brachte es treffend auf den Punkt: „Der persönliche Austausch ist immer noch das Maß aller Dinge.“

Die zahlreichen positiven Rückmeldungen zeigen: Das ES-Klassentreffen trifft den Nerv der Zeit. Praxisnaher Input, ehrliche Gespräche und echte Begegnungen – genau das macht das Format inzwischen so besonders.

Das 3. ES-Klassentreffen ist bereits in Planung: Am 29.09.2027 geht es zurück in den Norden nach Walsrode.

→ Melde Dich jetzt an zum 3. ES-Klassentreffen in Walsrode!

Weitere Impressionen findest Du in unseren EVENTVIDEOS und der FOTOGALERIE.